Bayern

Spurensuche

Dienstag, 18.09.18 – 17.00 Uhr

Mittwoch,19.09.18 – 09.30 Uhr

Studio im Schauspielhaus

Bayern

Spurensuche

 

Eigenproduktion

Dokumentarisch-performatives Theater

Ernst-Mach-Gymnasium und Mittelschule Haar

 

29 Schüler*innen

Spielleitung: Farina Simbeck und Thomas Ritter

Spieldauer: 55 Minuten

 

 

Das „Spurensuche“-Projekt beschäftigt sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Schulortes Haar. Im Projektverlauf entwickelte sich ein Schwerpunkt hin zu den Euthanasie-Verbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar. Heute ist hier das psychiatrisch-neurologische Klinikum München, die größte Psychiatrie Deutschlands, angesiedelt.

Zwischen 1939 und 1945 starben dort etwa 2000 Patienten an Unterernährung, 332 Kinder wurden gezielt getötet, mehr als 2000 in Tötungsanstalten geschickt. Neueste Untersuchungen, die erst nach der Erstaufführung des Stückes veröffentlicht wurden, weisen sogar deutlich höhere Opferzahlen nach. Über viele Jahrzehnte wurden die Verbrechen kaum oder nur in Teilen aufgearbeitet.

Anhand von Recherchen vor Ort, durch Zeitzeugengespräche und die Beschäftigung mit eigenen Familiengeschichten ist eine Aufführung entstanden, die fast ausschließlich aus zueinander in Beziehung gesetzten Zitaten besteht. Die Frage danach, was und wer als „lebenswert“ beurteilt wurde, wird in verschiedenen Kontexten aufgegriffen und die Zuschauer*innen damit konfrontiert. Immer wieder muss sich das Publikum in dem speziellen Bühnenraum, der die Struktur des Zusehens und Mitmachens aufnimmt, die einem gesellschaftlichen System zugrunde liegt, neuen Situationen stellen.

Auch die verwendeten Texte werden immer wieder verändert und die Rollen vor jeder Aufführung anders verteilt.

 

Jurybegründung:

 

Dieses Stück nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Die Inszenierung ist das Ergebnis eines Rechercheprozesses zum Thema „Euthanasieverbrechen“, welches nur einen Kilometer entfernt von den beiden Schulen, stattgefunden hat. Die Klarheit der Bilder und die ungewöhnliche Bühnenform, die die Zuschauer sowohl mitten im Geschehen als auch von außen haben, lässt sie die Aufführung intensiv empfinden und sich als Teil des Geschehens betrachten.“